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Daimokutate

Seit dem Mittelalter – dieses setzt man in Japan grob vom dreizehnten bis zum sechzehnten Jahrhundert an – pflegt man in Nara das Daimokutate-Ritual. Es basiert auf einer historischen Erzählung über die Fehde zwischen dem Heike- und dem Genji-Clan (1180–1185). Dies war eine kriegerische Auseinandersetzung, in der sich die Krieger jene Macht sicherten, welche sie sowohl in politischer als auch in sozialer Hinsicht zur beherrschenden Klasse erhob. Auch die Macht über die Hauptstadt Heian-kyo, das heutige Kyoto, war Ausgangspunkt für die kriegerischen Betätigungen.

Tausende Besucher ziehen dabei zum Yahashira-Schrein, um dort an der Gedenkstätte zu feiern. Hierbei stehen 26 junge Män­ner, gehüllt in Samurai-Kleidung, in einem Halbkreis und verkörpern dabei jeweils einen anderen kriegerischen Charakter. Nacheinander werden diese Jugendlichen von einem Vorleser, in der Regel ein alter Mann, in ihrer Rolle als Krieger erwähnt. Sie stellen hierauf in ruhiger Weise erzählend, auswendig und ohne Handlung oder übertriebener Gestik, ihren Part dar.
Nachdem sämtliche junge Männer gesprochen haben, folgt ein rhythmisches Stampfen mit den Füßen. Und während sie einen gemeinsamen Gesang erheben, verlassen sie die Bühne.

Männer in Samurai-Kostümen Ursprünglich wurde dieses Ritual von jungen Männern im Alter von siebzehn Jahren ausgeübt. Dies sollte die formale Auf­nah­me des jeweils ältesten Sohns in die Gemeinschaft der 22 Familien der Kami-Fukawa symbolisieren. Heutzutage legt man auf dieses spezielle Alter aber keinen so großen Wert mehr.

Daimokutate Japan wird üblicherweise Mitte Oktober gefeiert, also zum Ab­schluss der Erntezeit, und es spielt eine große Rolle beim Zusammenhalt der Bevölkerung in dieser bergigen Region.

Nara liegt in der Präfektur gleichen Namens im Süden von Japans Haupt­in­sel Honshū und war in den Jahren 710 bis 784 die Hauptstadt Japans, wobei es sich Heijō-kyō nannte. Heute ist es mit seiner Fülle an Ruinen, Tempel und Schreinen ein tou­ris­ti­scher Anziehungspunkt, dessen Bedeutung von der UNESCO als Teil des Weltkulturerbes entsprechend gewürdigt wird.

Im Jahr 2009 wurde Daimokutete in die Liste der Immateriellen Kulturgüter in Japan aufgenommen.
Die Begründung hierzu basierte auf der Tatsche, dass dieses Ritual eine einzigartige Form der Kunst ist, welche als wesentlich für das Selbstverständnis der Kami-Fukawa-Gemeinschaft der Stadt Nara angesehen werden kann. Die Aufnahme sollte auch dazu beitragen, dass diese Tradition gestärkt wird und noch weitere Anhänger findet.