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Yuki Tsumugi

Ein Kimono Spinnen der Seide Stoffproben Frau am Webstuhl

Die Stadt Yuki in der Präfektur Iberaki kennt eine besondere Technik tra­di­ti­o­nel­ler Seidenproduktion in Japan: Das Yuki Tsumugi. In der Umgebung der Stadt herrschen optimale Bedingungen für den Maulbeerbaum und die Sei­den­rau­penzucht. Durch die spezielle Webtechnik des Yuki Tsumugi erhält man Seide von ganz besonderer Weichheit und Musterung, die auch heute noch den Ruf höchsten Standards genießt. Die Herstellung eines hoch­wer­ti­gen Kimono-Stoffs mit dieser Webtechnik kann bis zu einem Jahr dauern.

Die Seidenproduktion findet in mehreren Schritten statt, von denen viele nur bei dieser Herstellungsart bekannt sind. Für die Roh-Seide werden nur leere oder deformierte Seidenraupen-Kokons verwendet, die in der herkömmlichen Seidenherstellung keine Verwendung finden würden.
Die aussortierten Kokons müssen zwei Stunden gekocht werden (Mayuni), um Schmutz zu entfernen und die Struktur aufquellen zu lassen. Von Hand werden die Kokons dann zu kleinen Säckchen ausgedehnt und zum Trock­nen aufgehängt (Mawatakake).
Beim vierten Schritt, dem Itotsugumi, wird das Garn gesponnen. Im Gegen­satz zu anderen Spinntechniken wird beim Yuki tsumugi in Japan das Garn nicht gezwirbelt, sondern nur gezogen. Dieses Verfahren ist nirgendwo sonst auf der Welt bekannt und verleiht der Seide die berühmte Weichheit und den Glanz. Allein für die Herstellung des Garns, der zum Weben eines einzigen Kimonos benötigt wird, braucht eine Spinnerin zwei bis drei Monate.
Anschließend werden die Fäden zu Schnüren gebündelt (Seikei), das Muster mit japanischer Tinte aufgetragen und dieses dann mit Fäden eingeknüpft (Kasuri-Kubiri).

Auch der Färbeprozess (Tatakizome) im Yuki Tsumugi ist einzigartig: Die Schnur­bündel werden in Farbe getaucht und auf dem Boden ausgeschlagen. Dadurch entsteht das typische Spritzmuster und die zuvor geknüpften Stellen bleiben weiß.
Die gefärbten Garne werden von den geknüpften Fäden befreit, gestärkt und nach Muster im Webstuhl, dem Jibata, vorsortiert und befestigt. Dieser Jibata funktioniert nach dem selben Mechanismus wie noch vor 1500 Jahren und wird mit einem Rückengurt gespannt.

Schon in der Heian-Zeit (794–1185) war diese Seide in Japan unter dem Namen Hitachi Ashiginu bekannt und so beliebt, dass Gedichte über sie ge­schrieben wurden. Als Hitachi Tsumugi kannte man sie dann in der da­rauf­fol­genden Kamakura-Zeit (1185–1335). Ihren heutigen Namen erhielt sie um 1602 als die lokalen Herren der Yuki-Familie die Seide dem Shogun als Tri­but vorlegten.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Technik verfeinert. Der Stoff ist leicht und wärmend zugleich und kann von drei Generationen getragen werden. Je öfter der Kimono gewaschen und gedehnt wird, desto weicher und glän­zen­der wird er.

Die traditionellen Techniken werden heute durch die Association for Preservation of the Honba Yuki-tsumugi Weaving Technique weiter gegeben und können in Schuleinrichtungen gelernt und bestaunt werden. Die UNESCO nahm 2010 die Yuki Tsumugi Seidenproduktion Japan deshalb zu den Immateriellen Kulturgütern auf, weil die Technik eine große soziale Bedeutung für die lokalen Gemeinschaften hat und als wichtiges Symbol der japanischen Identität gilt.