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Koshikijima no Toshidon

Auf der Insel Shimo-Koshiki im südwestlichen Teil Japans findet am Vorabend des Neujahres eine ganz besondere Tradition statt: Das Koshikijima no Toshidon. Die Japaner glauben, dass sich ihnen in Zeiten des Wandels Gottheiten zeigen, um Segen zu bringen. Als Übergang zwischen den Jahren zählt Neujahr zu solch einem Zeitenwandel. In Shimo-Koshiki erscheinen die lokalen Gottheiten, um den Kindern ihren Segen für ein gutes neues Jahr zu bringen, was als raiho-shin bezeichnet wird.

Kind beim Koshikijima no Toshidon Wann diese Tradition des Koshikijima no Toshidon in Japan begann ist nicht sicher, liegt aber weit in der Geschichte der Insel Shimo-Koshiki zurück.
Zwei bis fünf Männer aus der Gemeinde verkleiden sich als Gottheiten, die Toshidon genannt werden, und reiten auf ihren „kopflosen Pferden“ in der Nacht durch das Dorf. Ihre Verkleidung besteht aus einem Mantel aus Stroh, der mit einheimischen Pflanzen geschmückt ist. Das beeindruckende sind aber die fratzenhaften Masken mit der langen Nase, den übergroßen Fängen und dämonischen Hörnern.
Mit leisen ächzenden Rufen ziehen die Toshidon an Neujahr durch die Stra­ßen und klopfen an den Türen von Familien. Zuvor wurden die Männer über die guten und schlechten Taten der vorhandenen Kinder informiert. Man ge­währt den Gottheiten Einlass und sie kriechen in die Tür des Wohnraumes, sodass nur der monströse Kopf zu sehen ist. Viele Kinder haben Angst vor den Neujahrs-Gottheiten, weil sie schimpfen und furchterregend aussehen; manche weinen oder ren­nen aus dem Zimmer.
Die Toshidon befragen jedes Kind einzeln nach den schlechten Dingen, die es getan hat, schimpfen und drohen und predigen gutes Verhalten. Aber sie loben auch und lassen sich die Talente der Kinder vorführen.
Zum Schluss legen die Toshidon einen großen Reiskuchen, den toshimochi, auf den Rücken der Kinder, den sie krabbelnd zu ihren Eltern bringen müssen. Der Reiskuchen beim Koshikijima no Toshidon steht für den Segen der Toshidon und soll den Kindern ein weiteres friedliches Jahr bescheren.
Rückwärtskriechend verlassen die Gottheiten das Haus und begeben sich auf den Weg zur nächsten Familie.

Auch wenn das Koshikijima no Toshidon zu Neujahr in Japan ein sehr beängstigendes Ereignis für die Kinder ist, scheinen sie danach erleichtert und als ob sie etwas Großes erreicht hätten.

Das Koshikijima no Toshidon wurde 2009 zum Teil der Immateriellen Kulturgüter von der UNESCO ernannt. Der Grund hierfür liegt vor allem darin, dass mit dieser Neujahrs-Tradition die Identität der Gemeinschaft gestärkt und Kontinuität vermittelt wird. Seine Besonderheit besteht in dem sozialisierenden und verbindenden Charakter der Kinder zwischen drei und acht Jahren. Durch das Koshikijima no Toshidon werden ihnen Verhaltensnormen und Werte beigebracht.
Weitergegeben und gepflegt wird die Tradition von den lokalen Autoritäten auf den Shimo-Koshiki Inseln und der Association for the Preservation of Koshikijima no Toshidon, welche hierfür Workshops und Seminare veranstalten.