BCT-Touristik

Japan Studienreisen

Die Japanische Serow-Antilope

Japanischer Serau auf einer Wiese

Ein spezielles Tier, das nur auf den japanischen Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu lebt, ist die Serow-Antilope, die im deutschen Sprachraum als Ja­pa­ni­scher Serau bekannt ist. Serau ist dabei als Gattungsbezeichnung zu ver­stehen. Der Japanische Serau ist mit den Gämsen und den Schneeziegen verwandt und wird vereinzelt auch als Waldziegenantilope bezeichnet.

Trittsichere Hornträger

Die Japanischen Seraue gehören zu den horntragenden Säugetieren, also zur Familien der „Bovidae“.

Sowohl männliche als auch weibliche Tiere tragen die bis zu 15 cm langen Hörner, die leicht nach hinten gebogen sind. Als Unterfamilien der „gehörnten“ Säugetiere sind sowohl die Antilopen als auch die Ziegenartigen bekannt.

Das äußere Erscheinungsbild des Japanischen Serau spricht dafür, ihn eher den Ziegenartigen als den Antilopen zuzuordnen. Eine Antilope ist nach allgemeiner Vorstellung ein eher schmal gebautes Fluchttier mit kurzem Haarkleid und schmalem Kör­per­bau. Der Körper des Serau dagegen wirkt nicht nur durch sein dichtes, robustes dunkelbraunes bis schwarzes Fell eher kräftig und untersetzt. Damit ähnelt seine äußere Erscheinung eher der einer Bergziegenart.

Im Gefahrenfall tritt der Serau nicht, wie es eine Antilope tun würde, die schnelle Flucht über die Ebene an. Er verlässt sich lieber auf seine Trittsicherheit und zieht sich in die felsige Bergwelt zurück.

Lebensraum felsiges Hochgebirge

Als Lebensraum bevorzugen die Japanischen Seraus deshalb bergige Regionen mit Baumwuchs. Auf freien Flächen und Ebe­nen sind die Paarhufer mit dem derben, dunklen Fell nicht anzutreffen. Ihre Größe entspricht ungefähr der Größe eines Schafes. Sie bewegen sich bedachtsam und treten, wie das für Felsbewohner empfehlenswert ist, sicher auf.

Japanische Seraue legen Wert auf Deckung, wenn sie sich zur Ruhe begeben. Felsspalten, Höhlen und felsige Vorsprünge jeder Art dienen ihnen auch in den Mittagsstunden als geschützte Ruheplätze. Eine Flucht vor ihren natürlichen Feinden, den Bären und den Wölfen würde ihnen nicht gelingen. Sicherer ist es deshalb, sich so zu verbergen, dass die Feinde sie nicht er­reichen können.

Die natürlichen Feinde der Japanischen Seraus sind inzwischen im Lebensraum der Tiere nicht mehr verbreitet. Allein der Mensch mit seinen Jagdwaffen ist als Feind des Japanischen Serau geblieben.

Vegetarier mit Appetit auf Baumrinde

Ausruhender Japanischer Serau

Der Japanische Serau ist darauf eingestellt, in einer verhältnismäßig kargen Bergwelt zu überleben. Ideale Bedingungen findet er vor, wenn die Berge be­waldet sind. Die Buchenwälder der japanischen Hauptinsel Honshu sind deshalb sein Rückzugsgebiet. Von den ausgedehnten Buchenwäldern, die in Japan in früheren Zeiten vorhanden waren, sind die Wälder von Shirakami Sanchi geblieben. Eine unberührte Waldfläche von etwa 170 km² ist von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt worden. Hier gibt es das größte Vor­kom­men an Japanischen Seraus.

Der Japanische Serau ernährt sich nicht nur von Kräutern, Moos und Flechten sondern gerne auch von Baumrinde. Diese Vorliebe machte nicht nur japa­ni­schen Umweltschützern Sorgen sondern erregte auch den Zorn von Ver­mark­tern wildwachsender Shiitake-Pilze. Die auch an den Stämmen ver­schie­de­ner Buchenarten wachsenden Baumpilze sind in Japan wichtige Bestandteile traditioneller Ernährung.

Traditionell wurden Japanische Seraus in den vergangenen Jahrhunderten wegen ihres Fleisches und wegen ihres Fells bejagt. Diese Jagd fand breite Zustimmung, da gleichzeitig der Baumbestand vor Beschädigung durch die Rindenfresser geschützt wurde.

Zu Beginn des 20. Jahr­hunderts mussten Zoologen feststellen, dass der Japanische Serau zur aussterbenden Art geworden war. Erst durch konsequenten Artenschutz konnten die Bestände sich wieder erholen. In heutiger Zeit gilt der Japanische Serau nicht mehr als unmittelbar vom Aussterben bedrohte Art.

Im Jahr 1955 wurde der Japanische Serau trotz seiner teilweise unerwünschten Nahrungsvorliebe in den Stand eines ja­pa­ni­schen Naturdenkmals erhoben. Seither wird der Schutz der Tiere sehr ernst genommen.

Wiederkäuen im Familienversteck

Wer den Japanischen Serau in freier Wildbahn beobachten möchte, der muss dies in der Frühe oder am Abend tun. Die Tiere, die einzeln oder in kleinen, saisonal beständigen Familien leben, fressen morgens und abends. In der Zwischenzeit widmen sie sich als Wiederkäuer der Ruhe. Dazu ziehen sie sich in Felshöhlen und Felsspalten zurück, um während des Wiederkäuens nicht von Feinden aufgespürt zu werden.

Die weiblichen Tiere werfen nach einer Tragezeit von etwa sieben Monaten im Frühjahr in der Regel ein einzelnes Jungtier. Das Kitz bleibt etwa sechs Monate bei dem Muttertier. Die Geschlechtsreife tritt mit etwa 18 Monaten ein.
Freilebende Seraus erreichen ein Alter von 8 bis 10 Jahren. In Gefangenschaft können sie bei guter Pflege deutlich älter werden. In europäischen Zoos und Tierparks sind sie allerdings eher selten anzutreffen. Ausnahmen sind der Zoo Berlin, Magdeburg und Wien.