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Japan Studienreisen

Die Burgen und Schlösser Japans

Schloss Himeji

Japan ist ein sehr traditionsbewusstes Land. Burgen und Schlösser haben für die Menschen einen sehr hohen Stellenwert. Sie gelten als National­schät­ze und werden liebevoll gepflegt und erhalten. In besonders symbolträchtigen Fällen haben die Japaner sogar schon vollständig vernichtete Burgen von Grund auf rekonstruiert. Detailgetreu bis in den letzten Winkel und mit den ursprünglichen Materialien, vom ersten Grundstein bis zu den kunstvoll gla­sier­ten Dachziegeln. Entsprechend beeindruckend präsentieren sich die Festungen dem Besucher.

Wie in Europa, bestanden auch in Japan die frühesten befestigten Bauten hauptsächlich aus Erdwällen und Gräben, die mit Holzpalisaden verstärkt wurden. Für den Schutz der Festungen sorgte eher eine geschickte Platzierung an leicht zu verteidigenden Stellen der Landschaft, als aufwändige Konstruktionen. Die Anlagen dienten zu dieser Zeit rein militärischen Zwecken und wurden maximal vorübergehend als Wohnstätte benutzt.

Der Bedarf nach stärker befestigten Burgen und Palästen entwickelte sich ab 1477 mit Beginn der „Zeit der streitenden Reiche“ (Sengoku-Jidai). In dieser Ära, die bis 1573 anhielt, versank Japan buchstäblich im Chaos. Das Ende des bis dahin herr­schen­den Ashikaga-Shogunats hinterließ ein Machtvakuum, in dem praktisch alle Adelsfamilien versuchten, ihren Einfluss und ihre Machtbereiche zu vergrößern. Mit den Daimyo entstand ein neuer Typus von Adeligen, welcher nicht mehr durch die zentrale Re­gierung bestellt wurde, sondern seinen Machtanspruch auf Landbesitz und militärische Stärke gründete. Die Folge war ein extrem unübersichtlicher und lange andauernder Bürgerkrieg.

Burg Inabayama in Gifu

Japan ist als Insel naturgemäß sehr kleinräumig, die verfeindeten Parteien standen sich daher oft auf engstem Raum gegenüber. Dies zwang die Dai­myo und ihre Familien, in befestigten Palästen Schutz zu suchen. Gleichzeitig dienten die neuen Schlösser mit ihren imposanten Wehranlagen dazu, Geg­ner zu beeindrucken und abzuschrecken, schließlich war die japanische Dip­lo­ma­tie der Sengoku-Zeit mindestens genau so kompliziert wie die mi­li­tä­ri­sche Lage.

Das heute als „typisch“ angesehene Modell der japanischen Burg entwickelte sich in den Anfängen der Bürgerkriegszeit und wurde anschließend praktisch bis zur Beendigung der Feudalherrschaft und der Aufhebung des Samurai-Standes durch die Meiji-Restauration (im Jahr 1868) beibehalten.

Mit der Wiedervereinigung des Landes durch den Kriegsherren Oda Nobunaga und seinen Nachfolger Toyotomi Hideyoshi ge­wannen die Burgen weiter an Bedeutung als Manifestationen der Macht und lokale Verwaltungszentren. Dadurch wurden nach dem Ende der „Zeit der streitenden Reiche“, trotz der nun geringeren Gefahr, weiterhin große neue Burgen und Schlösser mit besonders imposanten Befestigungen gebaut. Die neuen Festungen standen jedoch im Gegensatz zu den alten Wehranlagen oft in der Ebene oder auf sanften Hügeln, wo sie zum Zentrum neu entstandener Städte wurden.

Burg Okayama

Japanische Schlösser und Burgen verfügten in der Regel über drei Ver­tei­di­gungs­ringe. Im Gegensatz zu Europa, wo die Anzahl und Form der Ver­tei­di­gungs­an­lagen oft von Burg zu Burg sehr stark variierte, hielt man sich in Japan erstaunlich strikt an dieses Schema. Der innerste Verteidigungsring hieß „Hon-maru“, der mittlere „Ni-no-maru“ und der äußere „San-no-maru“. Innerhalb des Hon-maru ragte der Hauptturm in die Höhe. Die beiden äuße­ren Ringe umschlossen die Palast-Anlage des Daimyo, sowie Lagerstätten und die Quartiere der Burgsoldaten.

Bei einigen japanischen Burgen ist heutzutage nur noch der Hon-maru mit dem Hauptturm erhalten, die äußeren Ringe wurden vor allem während der Meiji-Ära abgetragen, um Platz für die wachsenden Städte zu schaffen.

Zur Verteidigung der Burgen setzten die Samurai neben der üblichen Bewaffnung, bestehend aus Pfeil und Bogen (später auch Arkebusen), Lanzen und ihren berühmten Schwertern auch unkonventionelle Waffen wie Töpfe mit heißem Sand ein, oder Baum­stämme, die an Seilen befestigt gegen die Angreifer geschleudert wurden. Die Geschlechterrollen waren bei den Samurai übrigens keineswegs so fest verteilt wie viele Europäer glauben. Töchter aus Adels- oder Kriegerfamilien wurden von Kindes­bei­nen an im Umgang mit Waffen geschult. Man erwartete von ihnen ganz selbstverständlich, bei der Verteidigung von Haus und Heim ihren Beitrag zu leisten. Tomoe Gozen, eine der berühmtesten Feldherrinnen, zog sogar eigenhändig mit voller Rüstung, Schwert und Lanze als Anführerin in den Krieg.

Ginko-Burg Kumamoto Burg Nagoya